Friedensnobelpreisträgerin · 1843–1914
Bertha von Suttner
Bertha Gräfin Kinsky wurde 1843 in Prag geboren. Ihr Vater, ein pensionierter Feldmarschalleutnant, starb noch vor ihrer Geburt. Gemeinsam mit ihrer Mutter wuchs sie im aristokratischen Umfeld der österreichischen Monarchie auf — lernte Sprachen, las die großen Werke der Weltliteratur, versuchte sich als Sängerin.
Mit dreißig Jahren, als das väterliche Erbe aufgebraucht war, nahm sie eine Stelle als Gouvernante im Hause des Barons Carl von Suttner an. Dort lernte sie Arthur von Suttner kennen — und verliebte sich. Als Arthurs Eltern von der Beziehung erfuhren, musste Bertha das Haus verlassen.
Bertha Kinsky, um 1865
Bildarchiv Austria / ÖNB
Sie nahm eine Kurzanstellung als Privatsekretärin bei Alfred Nobel in Paris an. Kurz darauf heiratete sie im Geheimen Arthur von Suttner gegen den Willen seiner Familie. Das Paar zog 1876 in den Kaukasus, wo Bertha begann, sich schriftstellerisch mit sozialen Missständen auseinanderzusetzen.
1885 kehrten Bertha und Arthur nach der Versöhnung mit Arthurs Familie nach Österreich zurück — auf das Familiengut Schloss Harmannsdorf. Hier widmete sich Bertha dem Thema, das ihr Leben bestimmen sollte: der Friede.
Schloss Harmannsdorf, 1892
Foto: Ludwig Grillich · ÖNB, Pk 4924
1887 nahm sie Kontakt mit der damals noch jungen Friedensbewegung auf. 1889 wurde „Die Waffen nieder!" publiziert — großteils auf Schloss Harmannsdorf verfasst. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und zählt zu den Bestsellern des 19. Jahrhunderts.
Nach ihrem literarischen Erfolg widmete sie sich ganz der Friedensbewegung. Sie gründete die Österreichische Friedensgesellschaft und blieb deren Präsidentin bis zu ihrem Tod. Gemeinsam mit Alfred Fried gab sie die Zeitschrift „Die Waffen nieder" heraus (1892–1899). Sie setzte sich für ein internationales Schiedsgericht ein und nahm an nahezu allen Friedenskonferenzen als Vertreterin Österreichs teil.
1902 starb Arthur. Bertha übersiedelte nach Wien. Trotz der reservierten Einstellung der österreichischen Öffentlichkeit setzte sie ihren Kampf für den Frieden fort.
Nach dem Nobelpreis, um 1906
Foto: Carl Pietzner · ÖNB
1905 erhielt sie als erste Frau den Friedensnobelpreis.
Am 21. Juni 1914 starb Bertha von Suttner in Wien — eine Woche vor den Schüssen von Sarajevo und dem Beginn des Ersten Weltkrieges.
In einer Zeit, in der Kriege wieder den Alltag bestimmen, sind Bertha von Suttners Worte so dringend wie vor über hundert Jahren. Ihr Vermächtnis ist kein historisches Dokument — es ist eine Aufforderung.
„Die Waffen nieder!" — Drei Worte, die eine Bewegung auslösten.